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Höhlenflohkrebs - Höhlentier des Jahres 2026
Höhlenflohkrebs - Höhlentier des Jahres 2026
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Höhlenflohkrebs - Höhlentier des Jahres 2026

Allgemeines

Die Gattung Niphargus (zu Deutsch: Höhlenflohkrebs) wurde 1849 vom dänischen Zoologen Jørgen Matthias Christian Schiødte erstmals wissenschaftlich beschrieben. Eine erste Erwähnung aus der Schweiz stammt von Paul Godet aus dem Jahr 1866. Seit damals sind weltweit bereits über 400 Arten entdeckt worden. Aktuelle Forschungsbemühungen zu den in Europa im Süsswasser von Höhlen oder im Grundwasser weit verbreiteten Tiergattung lassen diese Zahl weiter ansteigen.

Die Vielzahl an Arten, von denen einige ausschliesslich aus der Schweiz bekannt sind, führte zur Wahl dieser Gattung zum «Höhlentier 2026». Sie steht als Botschafter für eine Vielzahl von Tierarten, die auf intakte unterirdische Lebensräume und sauberes Wasser angewiesen sind.

Die Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung SGH will mit der Wahl des Höhlentieres darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht.

Beschreibung

Höhlenflohkrebse sind farblos und erscheinen durchsichtig bis weiss. Zudem sind sie blind - beides typische Merkmale für unterirdisch lebende Tiere. Die grossen Augen, die bei Flohkrebsen in Oberflächengewässern das Erscheinungsbild des Kopfes prägen, haben sich bei der Gattung der Höhlenflohkrebse im Laufe der Evolution zurückgebildet. Dafür weisen sie oft sehr lange zweite Antennen auf, welche die Orientierung in der Finsternis erleichtern. Es kann beobachtet werden, dass die Höhlen bewohnenden Arten wesentlich grösser werden als ihre nahen Verwandten in anderen Lebensräumen. Unterirdisch lebende Flohkrebse werden meist wenige Millimeter bis Zentimeter gross. Die kleinsten Arten finden sich in der Schweiz in feinporigen Grundwasserleitern (z.B. Niphargus auerbachi, welcher ca. 5 mm lang wird). Hingegen kann die grösste hierzulande bekannte Art bis zu 3 cm lang werden und kommt hauptsächlich in Karsthöhlen vor (Niphargus virei).

Höhlenflohkrebse leben ausser in Höhlengewässern auch in diversen weiteren unterirdischen Grundwasservorkommen. Sie können in Wasseransammlungen in Bergwerken, im Schotter der Flusstäler, in den Tiefenschichten der Alpenseen oder beim natürlichen Austritt von Grundwasser in Quellen gefunden werden.

Ökologie und Lebensweise der Höhlenflohkrebse sind noch unzureichend erforscht. Im freien Wasser bewegen sie sich flink. Rückschlüsse auf die Ernährungsweise wurden bisher vor allem indirekt aufgrund der Mundwerkzeuge gemacht. Niphargus-Arten ernähren sich meist räuberisch von den kleineren Bewohnern der Höhlen und des Grundwasserkörpers wie Hüpferlingen. So sind sie in den unterirdischen Lebensräumen oft die Topräuber und nehmen damit die oberste Position in der dortigen Nahrungskette ein. Höhlenflohkrebse können aber auch von totem organischem Material leben oder sogar Bakterienfilme abweiden.

Verbreitung

Zum weltweiten Verbreitungsgebiet der Höhlenflohkrebse gehören die mediterranen Gebiete Südeuropas (mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel), weite Teile Mittel- und Osteuropas bis in die Ukraine, den Kaukasus und den Iran, sowie kleine Gebiete in Nordeuropa. Besonders viele Arten sind aus den Karstgebieten Südosteuropas bekannt.

In der Schweiz lassen die aktuell belegten Funde für viele Arten fundierte Aussagen zur Gesamtverbreitung zu. Während einige Arten relativ weitverbreitet sind (z. B. Niphargus thienemanni mit einer Verbreitung in den östlichen Voralpen und Alpen), sind die meisten Arten nur sehr kleinräumig nachgewiesen und typisch für ihren spezifischen Lebensraum. Wir unterscheiden 23 offiziell anerkannte Niphargus-Arten, wobei starke Hinweise auf weitere unbeschriebene Arten bestehen. Insgesamt ist von etwa 40 Arten auszugehen. Davon sind mehrere Arten für die Schweiz endemisch (d.h. sie wurden bisher ausschliesslich oder fast nur in der Schweiz nachgewiesen). So beispielsweise Niphargus arolaensis oder zwei aus dem Hölloch bekannte Arten (Niphargus muotae und Niphargus murimali).

Neue Forschungsergebnisse liefern starke Hinweise, dass gewisse Niphargus-Arten die letzte Eiszeit in Höhlensystemen und Grundwasserleitern überdauert haben. Sie gehören somit quasi zu den ältesten Einwohnern der Schweiz.

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